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Don’t be afraid of the D – Faszination Detroit

Die Blütezeit von Detroit liegt lang zurück. Weshalb sich Reisebloggerin Heike Kaufhold trotzdem in die Motor City verliebt hat erzählt sie hier.

Reiseziel - Über die Faszination Detroit

Detroit lebt, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht

Ein junger Kerl läuft mir auf dem zugefrorenen Bürgersteig entgegen. Nimmt eine Zeitung aus seiner Umhängetasche und wirft sie zielsicher in den Vorgarten eines Hauses. Ich runzle die Stirn. Dieses Haus wirkt auf mich leerstehend und verwaist, wie so viele in der Straße. Die Scheiben im Obergeschoss sind eingeschlagen, der Garten zugewuchert. Auf der Veranda leuchtet eine Glühbirne.

Ich kann nicht anders. Ich muss ihn ansprechen.

Detroit - Stadtansicht

“Glaubst du, diese Zeitung liest noch jemand?”
“Hey, da brennt ein Licht. Also ist das Haus noch bewohnt.”
“Wie viele Meilen läufst du so am Tag?”
“17.”

Das sind 27 Kilometer pro Tag.

Es ist nur eine Geschichte von vielen, die Detroit allerdings gut beschreibt. Wer hier einen Job hat, kann sich glücklich schätzen. Und zu viele Dinge zu hinterfragen kann das Einkommen kosten.

Vielleicht wohnt tatsächlich noch jemand in diesem Haus – der Eigentümer, ein Obdachloser oder ein Drogensüchtiger – und dieser Jemand hat einfach nur vergessen das Licht aus zu machen.

Läge Detroit am Meer würde ganz sicherlich kaum jemand hinterfragen, warum ich unbedingt in DIESER Stadt so viel Zeit verbringen will. Hier lag die Mordrate 2013 so hoch, wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die Stadt gilt als eine der gefährlichsten der USA. Und so versuche ich immer wieder meine Faszination an der Motorcity in Worte zu fassen.

Warum man Detroit lieben muss

Detroit - Stadtansicht

Einen großen Teil macht sicherlich die schiere Ungläubigkeit aus, die mich beim Anblick der Stadt im letzten Jahr erfasst hatte.
Wie um alles in der Welt war es möglich, dass weite Teile einer nordamerikanischen Stadt im Jahr 2014 einer Geisterstadt glichen? Zigtausende Häuser leer standen, abgebrannt oder halb zerstört waren? Ganze Straßenzüge verwaisten? Was bedeutete es, dass wirklich jeder mich davor warnte, allein meine Nase in bestimmte Ecken der Stadt zu stecken? Wie kann es sein, dass DAS Luxushotel am Platz noch vor wenigen Jahren eine leerstehende Ruine war?

Ich kann nicht leugnen, dass eine große Portion unbändige Neugier auf Detroit letztendlich dafür sorgte, dass diese Stadt zu meiner ‘Sehnsuchtsstadt’ wurde.
Ich hatte im letzten Jahr zur NAIAS das Glück, mich zwei Tage lang in Detroit umsehen zu können. Und beschloss noch während des Rückflugs nach Hause ein Ticket zurück zu buchen. So verbrachte ich im letzten Jahr immerhin 3 Wochen dort.

Detroit - Stadtansicht

Detroit – Verlassen, Vergessen, Wiederentdeckt

Ich lernte dank einer tollen Stadtführerin die schönen Ecken kennen: das lebendige Detroit, das florierende Detroit – und auch das PR-geschönte Detroit. Aber die Emotionen und der Enthusiasmus einer waschechten Detroiterin sprangen auf mich über und ich begann das aufstrebende Detroit zu sehen: die vielen coolen Bars und Restaurants, weltberühmte Museen, die grüne Lunge ‘Belle Isle’, Downtown, …

Aber ich wollte auch das verlassene Detroit sehen, die ‘unschönen’ Ecken. Den ‚Ruinporn’, wie es die Amerikaner nennen. Auch wenn das verpönt ist hier. Denn es ist so ziemlich das oberflächlichste, das man in Detroit machen kann. Aber eben auch notwendig, um zu verstehen, was hier eigentlich los ist. Notwendig, um beide Gesichter der Stadt kennen zu lernen.

Detroit - Stadtansicht

Detroit wurde 2013 offiziell bankrott erklärt. 38 Prozent der Bürger Detroits leben unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenquote liegt mit gut 15 % mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Von einst 1,8 Millionen Menschen leben nur noch etwa 700.000 hier.
Doch die tun alles um Detroit wieder nach vorn zu bringen.

Diesen Spirit und Kampfgeist mitzuerleben macht sicher einen Teil meiner Faszination aus.
Im letzten Jahr gelang es der Stadt, das größte kommunale Insolvenz Verfahren der amerikanischen Geschichte hinter sich zu bringen. “The only way is up”, sagen sie hier gern.

„The only way is up“

Und tatsächlich, allein in den letzten Monaten hat sich in der am Boden liegenden Stadt mit weit über 70.000 leerstehenden Häusern, einem nur unzureichenden Streifen-, Kranken-, Feuerwehrwagen- und Busnetz viel getan. Hunderte verwaiste oder abgebrannte Häuser wurden endgültig abgerissen, andere per Schnellverfahren versteigert. Die riesige Fläche, auf der sich Detroit einst so dekadent ausbreitete, soll auf lange Sicht hin verkleinert werden um die hohen städtischen Instandhaltungskosten einzugrenzen.

Es mag Zeiten gegeben haben, in denen hier Häuser für einen Appel und ein Ei verkauft wurden. Aber diese Zeiten dürften vorbei sein. Zu den ohnehin hohen Sanierungskosten, welche die teils wunderschönen, aber heruntergekommenen, Häuser mit sich bringen, kommen saftige Steuern hinzu. Zu beliebt ist Detroit mittlerweile bei den Jungen & Kreativen – denen, die immer mehr Büros in die Motorcity verlagern, hier ihre Startups aufziehen oder schlicht versuchen auf gut Glück Fuß zu fassen.

Detroit - Stadtansicht

In Downtown Detroit, das bis vor wenigen Jahren noch halb verwaist war, ist kaum mehr ein freier Büroplatz zu finden. Im Szene-Stadtteil Corktown, dem ältesten Viertel der Stadt, schiesst eine Bar nach der anderen aus dem Boden. Die seit 50 Jahren leerstehende Michigan Central Station, die schlicht nicht mehr gebraucht wurde, als mehr und mehr Autos gebaut wurden, war einst Symbol für den Niedergang der Stadt. Jetzt ist sie ihr Wahrzeichen – wird im Winter sogar von einigen Weihnachtssternen in den Fenstern beleuchtet. Die nehmen der recht gespenstischen, doch beeindruckenden, Kulisse zumindest etwas den Schrecken.

Aber ich habe noch nie zuvor solch gigantische Ruinen mitten in einer Stadt gesehen wie in Detroit.
Auch wenn ich als alleinreisende Frau bei der Ankunft auf dem Detroit Metropolitan Wayne County Airport um ein Haar an der Einreise wegen ‚Tourismusverdachts‘ – meine Interpretation – gescheitert war, ich würde jederzeit hier her zurückkommen. Denn auch wenn der Empfang ruppig war, Detroit ist es nicht. Und Detroit verändert sich – jeden Tag.
Der Bürgermeister hat sich vorgenommen, zigtausende Ruinen dem Boden gleich zu machen, so
Don’t be afraid of the D.

Detroit - Stadtansicht

Meine Tipps – Detroit entdecken

  • John K. King – die beste Buchhandlung der Welt (ich bin sicher).
  • Slows Bar BQ, 2138 Michigan Avenue: gutes Essen, gute
    Stimmung, gute Bierauswahl (es gibt sogar Kölsch); was es kaum gibt sind Parkplätze.
  • Detroit Institute of Bagels: leckere frisch gebackene Bagels zum mitnehmen oder dort essen.
  • Parkgarage ‘The Z’: Ein Parkhaus voller Streetart und einem fantastischen Blick über die Stadt aus der obersten, offenen Etage. Praktisch, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.
  • Belle Isle: die grüne Lunge der Stadt in mitten des Detroit River an der Grenze zu Kanada. Erholungsgebiet für die Detroiter und per Brücke zu erreichen. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf die Skyline von Detroit. Hier hat die Michigan State Police das Sagen und man wird oft kontrolliert.

Veröffentlicht: 8. Januar 2015

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Über den Autor

Heike Kaufhold ist Autorin, Fotografin und Reisebloggerin aus Köln. Auf ihrem Blog Köln Format schreibt sie über ihre Reisen und Roadtrips, die sie oft über die schönsten Straßen der Welt führen.Mehr von Heike könnt ihr auf Koeln-Format.de lesen.

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